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Urformungen – Erinnerung des Haptischen Die Faszination des Mediums Zeichnung steht bei Jochen Schneider im Zentrum seines Arbeitens. Linien werden gezogen, es wird gestrichelt, geschwärzt und schraffiert. Der Prozess des Zeichnens entwickelt sich bei ihm zur Methode der Erforschung der Möglichkeiten von Bleistift und Papier. Verdichtete Strukturen entstehen, die so gar nicht skizzenhaft die Materialität des Mediums transzendieren. So erscheinen manche der Zeichnungen wie Applikationen - pelzig und weich - oder glatt wie ein Scherenschnitt „liegen“ sie auf dem oft klinisch weißen Papier. Die bei genauem Hinschauen als einzelne Linien erkennbaren, akribisch genau, fein und dicht gesetzten Striche sind häufig zu isolierten und organischen Formen zusammengezogen. Jochen Schneider zieht sein Material aus dem Alltag - aus dem, was er erinnert - und bringt es stark abstrahiert und dennoch in distanziert konkreter Form aufs Papier. Nicht die Wirklichkeit selbst, sondern Surrogate abgespeicherter Bilder sind es, die dem Betrachter in seinen Zeichnungen begegnen. Das Abstraktionsvermögen zeichnerischer Mittel, welches schon immer auch andere Ausdrucksformen zulässt, hebt hier die konventionellen Kategorien von Zeichnung, Malerei und Plastik auf. So scheinen viele der Zeichnungen bis ins Extrem körperlich und gleichzeitig entfernt abstrakt. Sie bleiben einer seltsamen Eigendynamik verhaftet, die sich außerhalb eines vom Bildrand erfassten Raumes bewegt. Es sind jedoch nicht nur Eindrücke aus dem Alltag, die Jochen Schneider in seinen Zeichnungen verarbeitet, sondern vor allem auch das Vokabular von Flora und Fauna. Die „Zustände, in denen sich Formungen befinden“ (Zitat Jochen Schneider) dienen dabei als Grundlage. Jochen Schneiders Arbeiten erzählen vom Zeichnen als einer der intimsten und emotionalsten Ausdrucksformen, vor allem dort, wo die Weichheit feiner Linien mit harter Graphitschwärze kollidiert. Hanna Zinecker, 2006 |